Mittwoch, 8. Oktober 2014

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Das erste Mal (Teil 2)
07.06.2014
Es ist absolut kalt. Nein, "kalt" ist gar kein Ausdruck. Eisig, überwältigend, absolut erfrierend. Mein Körper schaltete nach ein paar Momenten auf Ignoranz - jedenfalls versuchte er das. Das heißt, er ließ die Kälteempfindung gar nicht voll zu, sondern nur, soweit das Gehirn das verarbeiten konnte. Mit jedem Schritt den ich tiefer rein ging wuchs aber der drang wieder nach draußen zu gehen. Ich musste mich Schritt für Schritt mehr überwinden. Nachdem es L. geschafft hat will und muss ich es auch können.
Als ich dann wirklich ganz drinnen war konnte ich die Situation nicht ganz beherrschen. Ich ging recht schnell wieder raus, da die Schmerzen immer mehr zunahmen und fast unerträglich wurden. Ich setzte mich hin und ließ das erst Mal auf mich wirken. Diese tiefgreifende "Ersterfahrung" ist wirklich mit nichts zu vergleichen, was ich sonst irgendwie mir Worten beschreiben könnte. Eine kalte Dusche oder auch das Baden im großen Fluss kommt mir jetzt vor wie ein laues Bad in der Therme. Gleichzeitig bin ich froh und stolz ES endlich geschafft zu haben. Es war mir auf einmal klar, dass ich gleich nochmal rein muss oder nie mehr im Eiswasser würde baden können.
Es dauerte jetzt etwas länger als sonst, bis die Durchblutung der äußeren Hautschichten wieder einsetzte und sich ein Wärmegefühl meldete. Vor allem die Beine von den Unterschenkeln an abwärts wollten erst nicht wieder "aufwachen".
Inzwischen war N. bis zu den Knien im Wasser, schaffte es aber nicht weiter - der "kälte"- Schock saß ihr buchstäblich in den Gliedern. Sie war wie erstarrt. Ich sagte ihr, dass sie nicht aufhören soll sich zu bewegen, da sie sonst das Gleichgewicht verlieren könnte und ins Wasser fällt. Sie ging langsam wieder Richtung Ufer - sehr wackelig - als würde sie jeden Moment umkippen, was aber nicht geschah.
"Wie macht ihr das bloß?" fragte sie. Ich brachte irgendwas heraus von wegen - nur an den nächsten Schritt denken - und - die Kälte an sich ist nicht das Problem sondern unsere negative Einstellung zu derselben - bla bla.
L. war schon wieder drin, machte jetzt sogar ein paar Schwimmbewegungen - ein Superweib.
Ich ging auch nochmal rein. Noch hatte mein Körper sich nicht auf die volle Gegenreaktion eingestellt. Die Wärmeproduktion war da aber wohl nicht ausreichend um die Kälteempfindung ausreichend abzuschalten. Es fiel mir aber wesentlich leichter als beim ersten Mal bis zu den Schultern einzutauchen.
N. stand immer noch ungläubig am Ufer:
"Wie macht ihr das bloß?" An Ihrer ganzen Haltung und Ausdruck konnte ich ablesen, dass sie ES auch tun will, aber es ohne Hilfe einfach nicht schaffen wird. Ich erzählte ihr, dass sie vielleicht leise und langsam bis 10 zählen soll und dann am 11 mit jeder Zahl einen weiteren Schritt ins Wasser gehen soll. Ich bot Ihr an, mit ihr rein zu gehen und dass sie sich an meinem Arm festhalten kann um nicht umzukippen.
Sie nickte und es ging tatsächlich. Wir stellten uns ans Ufer und zählten langsam auf 10 dann begannen wir ins Wasser zu gehen - 11, 12, 13 jetzt war das Wasser schon an den Knien wie vorher - 14, 15, 16 - das Wasser erreichte die Hüften; Ihre Badesachen wurden zum ersten Mal nass - 17, 18, 19 und 20 - wir waren jetzt fast bis zur Brust im Wasser. In Ihrem Gesicht war der Schreck abzulesen. "Und jetzt noch bis zum Hals" sagte ich "1-2-3 und los" Wir tauchten unsere Körper bis zum Hals ein und gingen dann schnell wieder in Richtung Ufer. Sie hielt sich noch an mir fest bis das Wasser wieder knietief war.
Jetzt schnell abtrocknen und raus aus den nassen Klamotten. Abtrocknen war diesmal ein vorsichtiges abtupfen - ich spürte nichts mehr und das gab mir das Gefühl, dass ich mit dem Handtuch gleich die ganze Haut abrubbelt. Selbst als ich schon wieder in ihnen steckte spürte ich die Kleider nicht auf der Haut. Es dauerte mindestens fünf Minuten bis ich spürte, dass ich tatsächlich angezogen war.

Zufrieden machten wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz wo das Auto stand. Eher still, fast andächtig ließen wir das soeben Erlebte auf uns einwirken. N. ging nach kurzem Abschied in Richtung Bahnhof, da sie noch heute nach Hause fahren musste. L. die Kinder und ich fuhren mit dem Auto ins Hotel - wir wollten ja am nächsten Tag zusammen mit anderen Freunden zu einem Bergsee wandern.

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