Dienstag, 16. September 2014

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Das erste Mal (Teil 1)
07. Juni 2014
Am späteren Nachmittag traf ich mich mit L. und N, sowie den Kindern um eine Wanderung von der Passhöhe bis zu einem kleinen Steinbruch zu machen. Mehr so im Spass sagte ich zu N, dass wir ja nach der Rückkehr eine kleine Abkühlung im See riskieren könnten... Sie nahm es nicht ernst und das Thema war damit auch erledigt. Dachte ich jedenfalls. L. kennt mich ja und wusste daher auch, dass es sehr wohl diesmal wahr werden könnte. Ich glaube sie hat schon da beschlossen, dass sie heute auch mit ins Eiswasser geht.

Bergauf dauerte es ca. eine Stunde bis zum Steinbruch. Es war herrliches Wetter. Sonne pur und ab und zu ein leichtes Windchen um den Schweiß aus dem Gesicht zu trocknen. Dann mit den Rucksäcken voller Specksteine wieder zurück zum Parkplatz.
Nachdem alles im Auto verstaut war sprach mich N. ziemlich unerwartet an:
"Gehst Du jetzt wirklich in den halb zugefrorenen See schwimmen?"
Ich: "Ja, ich werde es machen - weiß noch nicht wie weit ich reingehe"
Ich nahm alles was ich an Handtüchern und warmen Sachen finden konnte und wir alle machten uns auf den Weg zum See.

Der See lag in einer kleinen Senke und die Sonne stand jetzt schon tiefer, sodass es da unten keine Sonne mehr gab. Auch blies der Wind kräftiger. Dor wo der Zugang war, mündete ein kleines Bächlein hinnein. Deshalb war diese Stelle nicht zugefroren wie der Rest des großen Sees. Das Ufer war zuerst steinig, dann aber schlammig - eiskalter Schlamm. Auf einem großen Stein, der nahe am Wasser lag legte ich die Handtücher ab und begann mich auszuziehen. Etwas vorsichtig, damit nichts schmutzig wurde, da ich für die nächsten drei Tage keine frischen Klamotten eingepackt hatte. Bevor ich aber fertig war ist L. schon im Wasser - nicht nur bis zu den Knien, sondern bis zu den Schultern. Es gab kleine Eisstückchen die auf dem Wasser schwammen und L. mittendrin. Ich konnte es nicht fassen. Sie hat ES zuerst getan und geriet dabei gar nicht in Panik, blieb sogar eine Zeit drin bevor sie sich wieder langsam in Richtung Ufer bewegte. Diese Frau vermag es mich auch nach fast zwanzig Jahren noch zu überraschen eine Superfrau.
Jetzt war ich dran. Während ich rein ging kam L. wieder langsam raus... Wenn ich ehrlich bin hatte ich gar nicht vor ganz rein zu gehen. Eher nur bis zum Oberschenkel oder bis zum Bauch. Jetzt gab es natürlich kein zurück mehr. Ich trat einen Schritt nach dem anderen auf dem schlammigen Untergrund. Tausende von schwarzen Fischchen flüchteten vor mir. Ich spürte sie nicht, denn es fühlte sich alles eiskalt an. Es tat weh in den Füßen und am Fußgelenk. Je tiefer ich kam, desto mehr tat es weh. Trotzdem war es nicht unerträglich. Ich wartete ein bisschen, bis eine Art Gewöhnung einsetzte, und so der Schmerz ein wenig nachließ. Nachdem ich dann aber auch bis zum Hals drin war bewegte ich mich schnell wieder ans Ufer.

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